Die Kampagne "Öko & Fair ernährt mehr!" ist eine Kampagne für eine zukunftsfähige Welternährung. Die ARGE Weltläden, FIAN und die ÖBV -Via Campesina Austria wollen 2011 PolitikerInnen daruf aufmerksam machen, dass Öko- Landbau und Fairer Handel einen wesentlichen Beitrag zur Ernährungssicherung weltweit leisten.
Weltweit hungern über eine Milliarde Menschen. Etwa zwei Drittel von ihnen leben auf dem Land, doch trotz technischer Innovation steigen die Erträge nicht an – ganz im Gegenteil: Aufgrund zunehmender Bodenerosion und Naturkatastrophen (infolge des Klimawandels) sinken sie.
Damit ist das Milleniums-Entwicklungsziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, in weite Ferne gerückt. Rund um den diesjährigen Weltladentag am 14. Mai 2011 beschäftigen sich die Weltläden daher intensiv mit dem Thema „öko&fair ernährt mehr!“ und plädieren für eine zukunftsfähige Welternährung. Denn gerade in den Ländern des Südens haben kleinbäuerliche und ökologische Landwirtschaft ein großes Potential, die Ernährungssituation zu verbessern. Das Hauptanliegen der Weltladentags-Kampagne 2011 in Österreich ist es, konkrete Alternativen zu sozial- und umweltschädlichen Anbau- und Handelspraktiken aufzuzeigen und bei der Politik die Förderung kleinbäuerlicher sowie ökologischer Landwirtschaft einzufordern.
Hunger – eine politische Entscheidung
Die Dramatik der Ernährungskrise liegt insbesondere darin, dass die weltweite Lebensmittelproduktion im Grunde ausreicht, um alle Menschen zu ernähren. Kurzsichtige politische Entscheidungen und ungleiche Marktzugänge verhindern jedoch, dass alle Menschen über ausreichend Lebensmittel verfügen. Mit der Ausweitung von Freihandel und industrieller Landwirtschaft verschärfen sich die Ungerechtigkeiten: Kleinbäuerinnen und -bauern werden zunehmend abhängig von Saatgut- und Gentechnikfirmen oder werden für den Anbau von Futtermitteln und Energiepflanzen vertrieben. Zusätzlich werden die Märkte des Südens von exportsubventionierten Lebensmitteln aus den USA und der EU (u.a. Milchpulver, Geflügel, Getreide) überschwemmt, so dass die Landbevölkerung ihre Erzeugnisse nicht mehr verkaufen kann. Die Agrarpolitik der Industrieländer, die Massenproduktion unter hohen ökologischen und sozialen Kosten fördert und auf ungebremsten Export setzt, ruiniert die Grundlagen kleinbäuerlicher Landwirtschaft weltweit - und damit die Ernährungssouveränität und Zukunftschancen vieler Menschen. Der Weltagrarbericht von UNESCO und der Weltbank macht deshalb deutlich: Eine globale Agrarwende hin zu kleinbäuerlicher und ökologischer Landwirtschaft ist unabdingbar!
Öko-Landbau schützt Mensch und Natur
Der Öko-Landbau trägt entscheidend zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bei und hat so ein großes Potential, Erträge zu stabilisieren und zu erhöhen. Er kann durch vielfältige Mechanismen dem Verlust wertvoller Ackerflächen entgegen wirken und erhält durch Mischkulturen und Agroforstsysteme die biologische Vielfalt (Biodiversität). So wird langfristig Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität gefördert. Gerade für Kleinbäuerinnen und -bauern bieten deshalb Öko-Landbau und Fairer Handel eine Perspektive. Durch die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft machen sie sich unabhängig von den hohen Preisen für Dünger, Pestizide und gentechnisch verändertes Saatgut.
Fairer Handel sichert Existenzen
Eines der zehn Kriterien des Fairen Handels ist die Förderung von Kleinbäuerinnen/-bauern und benachteiligten KleinproduzentInnen in den Ländern des Südens. Dabei wird großer Wert auf langfristige, partnerschaftliche Beziehungen gelegt, die Zusammenschlüsse von Kleinbäuerinnen/-bauern fördern und deren Aus- und Weiterbildung unterstützt. Faire Preisehelfen den PartnerInnen des Südens dabei, neben dem kombinierten Anbau von Exportprodukten und Erzeugnissen für den regionalen Markt, ihre Existenz zu sichern. Denn allein durch die Selbstversorgung entkommen Millionen von Menschen ihrer Armut.
Das muss geschehen
In Zusammenarbeit mit FIAN und ÖBV/Via Campesina fordern die österreichischen Weltläden die Politik auf, sich auf nationaler und internationaler Ebene für die Förderung kleinbäuerlicher Strukturen und für die weltweite Verbreitung der Prinzipien des Öko-Landbaus einzusetzen, mit dem Ziel, langfristige Ernährungssouveränität zu erreichen.
1. Tatkräftige Unterstützung der kleinbäuerlichen Strukturen wie im Weltagrarbericht festgehalten und Unterzeichnung desWeltagrarberichts durch die
österreichische Regierung.
2. Eigenversorgung der lokalen Bevölkerung sichern Lebensmittelproduktion - Verarbeitung - Verteilung in erster Linie mit regionalem und nationalem Fokus
3. Festhalten am Beschluss der EU 2012, die Exporterstattungen zu streichen.
4. Zugang zu Land,Wasser und Saatgut für Kleinbäuerinnen und -bauern sichern.
5. Menschenrecht auf Nahrung muss Priorität auf allen politischen Ebenen werden.